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Perfektionismus ablegen: “gut genug” zur Bestform

Perfektionismus macht es besonders schwer Fitness-Ziele zu erreichen. Hier erfährst du, warum es besser ist, nicht 100% zu geben.

Als “recovering perfectionist”, weiß ich, dass man Perfektionismus gerne als sympathische Schwäche präsentiert. Dabei schwingt die Erwartung mit, dass das Umfeld es durchaus positiv beurteilt, wenn jemand hohe Ansprüche an sich selbst und seine Arbeit hat. Allerdings ist ein Streben nach Vollkommenheit sowohl im Arbeitsumfeld, als auch für das Erreichen persönlicher Ziele keine Stärke.

Im Gegenteil, Perfektion ist genaugenommen der niedrigste Anspruch, den man an sich stellen kann. Sie existiert nämlich nicht. Etwas das nicht existiert, ist auch nicht erreichbar. Und weil das den Perfektionist:innen bewusst ist, und dieser hohe Anspruch zurecht Druck macht, fangen sie gar nicht erst an, oder werfen nach der ersten Hürde gerne mal die Flinte ins Korn.

Im Coaching zeigt sich schädlicher Perfektionismus vor allem auf zwei Arten:

 

1) Die Lähmung – Perfektionismus ist Stillstand

„Ich bin ein Ganz-oder-gar-nicht-Typ“

Hier wird nach kurzem Hineinschnuppern gleich gerne mal der Pausenknopf gedrückt. Schlauerweise gibt man sich ja schon im Vorhinein die Erlaubnis bei Problemen aufzuhören, wenn man sich als ein 0/1 Typ identifiziert.

Kann eine Variable nicht so ausgeführt werden, wie erhofft, wird auch alles andere auf Eis gelegt. Man verzettelt sich in Details, verliert dabei das große Ganze aus dem Kopf, und fühlt sich überfordert.

Diese Form von Perfektionismus führt auch dazu, nicht einmal zu beginnen, da die Umstände noch nicht optimal sind. Es wird jahrelang auf den perfekten Zeitpunkt gewartet (Spoiler: der kommt nicht!).

Perfektionismus

Beispiel
Fällt mal das Training aus, wirfst du auch gleich die Ernährung über Bord, trägst nichts mehr in deinen Tracker/Journal oder Tabelle ein, und meidest vielleicht sogar den Check-In mit dem Coach.

Lösung: “The next best thing”
Denk daran, was der nächste Schritt ist, der dich deinem Ziel näher bringt.Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, hake es ab, reflektiere, ob du etwas anders machen hättest können, und konzentriere dich auf deine nächste Entscheidung. Wenn eine Mahlzeit nicht optimal war, plane deine nächste, so dass sie dein Ziel wieder unterstützt. Wenn du ein Training ausgelassen hast, trage dir dein nächstes Training als Fixtermin in den Kalender ein.

Es liegen Welten zwischen “etwas” und “gar nichts”. Wenn du dieses Konzept verinnerlicht hast, kannst du in einem Jahr viel mehr erreichen als mit kurzen perfekten Phasen.

 

2) Der Crash – Mit Perfektionismus gegen die Wand

“Ich kenn nur ein Gas, und das ist Vollgas”

Nimmt man diese Metapher im Straßenverkehr wortwörtlich, ist klar, was passiert. Die Straße ist nicht immer gerade, und oft tauchen unerwartete Hindernisse auf. Lernt man nicht, Gas runterzunehmen und auch mal einen Umweg in Kauf zu nehmen, ist man zwar schnell unterwegs, aber nur kurz. Und das Ende ist abrupt und schmerzhaft.

Beispiel
Du bist gut im Erfüllen eines Plans. Ernährung und Training werden perfekt umgesetzt und priorisiert. Durch deinen Fokus bekommst du allerdings zunehmend einen Tunnelblick. Dein restliches Leben geht den Bach runter, Stresslevels schießen ins Unermessliche und die Lebensqualität, Beziehungen und die mentale Gesundheit leiden. Dem Coach gegenüber möchtest du perfekt abliefern. Dabei geht dir aber jegliche Freude am Prozess geht verloren und der Pausenknopf ist für dich die einzige Möglichkeit um wieder klarzukommen.

Lösung: “Dimmer Switch” 

Die erfolgreichsten Klient:innen sind diejenigen, die sich im Coaching Hilfe holen, um Training und Ernährung in ihren bestehenden (und ständig verändernden!) Alltag zu integrieren. Nicht diejenigen, die versuchen einen vermeintlich perfekten Plan in einem nicht existierenden perfekten Alltag durchzuziehen.

Im Coaching geht es nicht darum, wie wir in der Theorie immer mehr optimieren können, sondern wie wir in der Realität der Klient:innen regulieren können, um weiterhin an den Zielen dranzubleiben. Sie lernen sich zu pushen wo es möglich ist, und auch zurück zu steigen wenn es nötig ist. Das führt dazu, dass sie unter jeder Voraussetzung weiterhin machbare Schritte setzen können.

 

Das Ziel ist das Ziel. Nicht die Perfektion.

Anstatt auf den richtigen Augenblick zu warten, oder sofort 100% zu geben, sollte man sich vor Augen halten, wie viel Fortschritt kleine, kontinuierliche Änderung, z.B. über den Zeitraum eines Jahres bringen können. Sofern es einem wichtig ist, sollte man gesunde Ernährung und Zeit fürs Training daher nicht nur als Teil einer utopischen Zukunftsvision betrachten.⁣

⁣Zum Abschluss daher noch eine interessante Grafik von James Clear, der mathematisch aufschlüsselt wie mächtig kleine, schrittweise Veränderungen über den Zeitraum eines Jahres sein können:

https://jamesclear.com/marginal-gains

(James Clear The Power of Tiny Gains)

 


Hast du dich in deiner Fitness-Reise verloren? Möchtest du endlich Frieden mit dem Essen schließen, und/oder im Training so richtig vorankommen?

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Julia Prinz
Protein Botschafterin

julia@craftkoerper.com

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